Essstörungen

Essstörungen zählen zu den Suchterkrankungen. Sie äußern sich unterschiedlich, haben jedoch gemeinsam, dass sich die Gedanken der Betroffenen ständig um das Essen drehen.

Anorexie

Die Anorexie oder Magersucht ist eine Essstörung, die insbesondere bei Mädchen und jungen Frauen vorkommt. Bei der Entstehung spielen gesellschaftliche, familiäre und psychische Faktoren eine Rolle. So haben Magersüchtige oft ein erhöhtes Kontrollbedürfnis, das sie über die strenge Diät ausleben. Viele Mädchen lehnen auch die Umwandlung vom Kind zur Frau ab und versuchen diesem durch einen extremen Gewichtsverlust entgegenzuwirken. Magersucht tritt überdurchschnittlich häufig in Familien auf, in denen hohe Erwartungen an das Kind gestellt werden. Magersüchtige sind oft wenig selbstbewusst. Durch die Kontrolle über den eigenen Körper fühlen sich die Betroffenen selbstsicherer und stärker. Zudem propagiert das Schönheitsideal in den westlichen Industriestaaten nach wie vor unnatürlich schlanke Körper. Dieser Druck wird durch die dünnen Vorbilder aus den Medien noch erhöht.

In Berufsgruppen, in denen ein niedriges Körpergewicht verlangt wird, tritt Magersucht gehäuft auf. Hierzu zählen Sportarten wie Ballett, Eiskunstlauf, Skispringen oder Turnen sowie der Beruf des Models.

Zu den Hauptsymptomen der Anorexie gehören die erhebliche Gewichtsabnahme, eine ausgeprägte Angst vor Gewichtszunahme sowie eine verzerrte Körperwahrnehmung. Die Betroffenen empfinden sich trotz ihres Untergewichts noch als zu dick.
Neben dem Verzicht auf Nahrung versuchen viele Betroffene ihr Gewicht durch exzessives Sporttreiben oder die Einnahme von Abführ- oder Entwässerungsmitteln noch weiter zu verringern.

Ein Körpergewicht von mindestens 15% unterhalb des Normalgewichts gilt dabei als Diagnosekriterium für eine Magersucht.

Magersüchtige beschäftigen sich ständig mit dem eigenen Gewicht und der Ernährung. Sie kennen den Kaloriengehalt der meisten Lebensmittel und achten streng darauf, nicht zuviele Kalorien zuzuführen.

Die Magersucht schädigt den gesamten Körper. So zeigen sich oft Symptome wie ein verlangsamter Herzschlag, ein niedriger Blutdruck, ständiges Frieren, Haarausfall, Aussetzen der Menstruation, Nieren- und Leberfunktionsstörungen und Konzentrationsschwierigkeiten.
Zur Behandlung der Magersucht gibt es die Möglichkeit einer ambulanten, stationären oder teilstationären Therapie. Hier sollen Betroffene lernen ihr Essverhalten zu normalisieren und wieder eine gesunde Körperwahrnehmung erlangen.

Bulimie

Bulimie, auch Ess-Brech-Sucht genannt, ist eine weitere Form der Essstörung. Die Betroffenen leiden permanent unter Heißhungerattacken, während derer sie große Mengen an Essen zu sich nehmen. Da sie nach den Fressanfällen große Angst vor einer Gewichtszunahme haben, nehmen sie Abführmittel ein oder erbrechen.

Bei der Entstehung der Bulimie spielen eine genetische Veranlagung, biologische Komponenten, mangelndes Selbstwertgefühl, familiäre Einflüsse, ein hoher Leistungsanspruch sowie das westliche Schönheitsideal eine große Rolle.

Bulimiker sind von außen nicht so leicht zu erkennen wie Magersüchtige. So sind sie meist normal-, oder nur leicht untergewichtig, in manchen Fällen sogar übergewichtig. Während einer Heißhungerattacke verschlingen Betroffene in kürzester Zeit Unmengen an kalorienreichen Nahrungsmitteln. Nach den Attacken schämen sie sich oder machen sich Vorwürfe. Deshalb erbrechen sie das Essen in den meisten Fällen gleich wieder.

Als Folge der Bulimie kommt es im Körper zu großen Schäden. So treten verschiedene Mangelerscheinungen und Störungen im Elektrolythaushalt auf. Zudem kann es zu geschwollenen Speicheldrüsen, einer Entzündung der Speiseröhre, Herzrhythmusstörungen, Sodbrennen und Magengeschwüren kommen.

In einer ambulanten oder stationären Therapie sollen Betroffene lernen, ihr Essverhalten wieder zu normalisieren und ein realistisches Körperbild zu erlangen.